• Häufig gestellte Fragen zu SARS-CoV-2 und der COVID-19-Diagnostik

Nachfolgend finden Sie die Antworten zu häufig gestellten Fragen zu SARS-CoV-2 und den Tests von EUROIMMUN für die Diagnostik von COVID-19.


SARS-CoV-2

Was sind Coronaviren?

Coronaviren bilden eine große Virusfamilie, deren Vertreter sowohl Menschen als auch Tiere, beispielsweise Vögel und Säugetiere, infizieren können. Eine Infektion mit Coronaviren kann zu einfachen Erkältungskrankheiten, aber auch zu schweren, mitunter tödlichen Erkrankungen führen. Die beiden hochpathogenen Viren SARS-CoV und MERS-CoV verursachen beim Menschen ein schweres respiratorisches Syndrom. Ansteckungen mit den anderen vier humanpathogenen Coronaviren (HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 und HKU1) führen oftmals nur zu leichten Infekten der oberen Atemwege. Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Personen kann es jedoch auch zu schweren Infektionsverläufe kommen.

Wie wird SARS-CoV-2 übertragen?

SARS-CoV-2 wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen und bei engem Kontakt mit infizierten Patienten übertragen. Gesundheitspersonal und Familienangehörige gehören zu den Hochrisikopopulationen.

Was sind die Symptome von COVID-19?

Die Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion sind Fieber, Husten, Atembeschwerden und Erschöpfung. Die meisten Patienten leiden unter einer leichten fieberhaften Erkrankung mit unregelmäßigen Lungeninfiltraten, ein Teil der Patienten, vor allem alte und chronisch kranke Menschen, entwickelt ein schweres akutes Atemnotsyndrom (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) mit tödlichem Ausgang. Der derzeitig geschätzte Anteil der Todesfälle liegt bei etwa 3 Prozent. Die Erkrankung, die durch SARS-CoV-2 hervorgerufen wird, wurde im Februar 2020 von der WHO „COVID-19“ (Coronavirus 2019) genannt.

Wie wird eine Person auf COVID-19 getestet?

Labortests für die Diagnostik einer SARS-CoV-2-Infektion umfassen zum einen die Polymerasekettenreaktion (PCR) aus Abstrichen der oberen und unteren Atemwege (bronchoalveoläre Lavage, Trachealsekret, Sputum, Nasopharyngealsekret, Oropharyngealsekret usw.) zum direkten Nachweis des Virus. Sie dient der ersten labordiagnostischen Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion. Zusätzlich gibt es serologische Tests für den Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 im Blut. Der Antikörpernachweis stellt eine ideale Ergänzung zum Erregerdirektnachweis dar. Er unterstützt die Diagnose einer SARS-CoV-2-Infektion und dient der Bestätigung der PCR-Ergebnisse. Darüber hinaus ist die Bestimmung von Antikörpern bei der Abklärung von SARS-CoV-2-Verdachtsfällen ohne Symptomatik oder mit negativem Direktnachweis von Bedeutung. Neben dem Einsatz in der Diagnostik können die serologischen Tests zur Erhebung epidemiologischer Daten und zur Ausbruchskontrolle verwendet werden.

Wo gibt es weitere Informationen über SARS-CoV-2 bzw. COVID-19?

Robert-Koch-Institut (RKI) https://www.rki.de


EUROIMMUN-Tests für die COVID-19-Diagnostik

Sind die SARS-CoV-2-Tests von EUROIMMUN zugelassen?

Alle SARS-CoV-2-Tests von EUROIMMUN sind CE-gekennzeichnet und können für die Diagnostik von COVID-19 eingesetzt werden. Der  Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgG) und auch der  EURORealTime SARS-CoV-2 wurden außerdem von der US-amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA im Rahmen einer Emergency Use Authorization (EUA) für die Verwendung durch autorisierte Laboratorien sowie von der brasilianischen Behörde für Gesundheitsüberwachung ANVISA zugelassen.

Wo können Sie sich testen lassen?

Unsere Tests werden ausschließlich in Laboratorien durchgeführt. Die benötigten Proben (Blut, Abstrich etc.) werden von einem Arzt, z. B. Ihrem Hausarzt, entnommen und dann in entsprechende Laboratorien geschickt.

Gerne können Sie sich mit Ihrer Anfrage an das Klinisch-immunologische Labor Prof. Dr. med. Winfried Stöcker (Seekamp 31, D-23560 Lübeck) wenden.

Wo können Sie unsere Tests für die COVID-19-Diagnostik beziehen?

EUROIMMUN ist eine der ersten Firmen, die mit den  Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgA und IgG) bereits im März 2020 CE-gekennzeichnete Testsysteme zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 anbieten konnte. Unser Angebot an Antikörpertests für die COVID-19-Diagnostik wurde inzwischen um die CE-gekennzeichneten  Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgG, IgM) sowie den Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) erweitert. Für die Akutdiagnostik bieten wir neben dem  EURORealTime SARS-CoV-2 für den direkten Virusnachweis mittels Real-Time-PCR (RT-PCR) auch den Kombinationstest EURORealTime SARS-CoV-2/Influenza A/B zur Differenzialdiagnostik von COVID-19 und Grippe sowie den SARS-CoV-2-Antigen-ELISA zum Nachweis des viralen Nukleokapsidproteins an. Sowohl die ELISA als auch die EURORealTime-Tests sind für Labore konzipiert und werden nur an diese vertrieben. Es handelt sich nicht um Schnelltests für eine Anwendung durch Privatpersonen.

Sollten Sie ein Angebot für unsere Tests wünschen, wenden Sie sich bitte an order-delete-@euroimmun.de.

Können auch Privatpersonen diese Tests durchführen?

Bitte beachten Sie, dass es sich bei unseren Produkten nicht um Schnelltests handelt und diese nicht zur Eigenanwendung bestimmt sind. Unsere Testsysteme sind für die Untersuchung großer Probenmengen ausgelegt und ihre Anwendung setzt eine gewisse Laborausstattung voraus. Kassettenbasierte Schnelltests zur Eigenanwendung können verschiedene technische Limitationen, z. B. hinsichtlich Sensitivität oder Spezifität, aufweisen. Aus diesem Grund bieten wir keine Schnelltests an.

Sollten Sie den Verdacht haben, sich mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben, kontaktieren Sie Ihren Hausarzt.

Was sind die Anwendungsgebiete der RT-PCR (Erregerdirektnachweis) und der ELISA (Antikörperbestimmung) in der COVID-19-Diagnostik?

Der Nachweis von viraler RNA über  RT-PCR oder von Virusproteinen in Probenmaterialien der oberen Atemwege sind geeignete Verfahren zur Feststellung einer akuten Infektion. RT-PCR-Tests ermöglichen selbst bei subklinischen oder asymptomatischen Verläufen einen Erregernachweis wenige Tage nach dem Viruskontakt. Das Virus kann bis zu 14 Tage nach dem Einsetzen der Symptome detektiert werden. Sogenannte multiparametrische RT-PCR-Tests erlauben darüber hinaus, in einem Ansatz sowohl SARS-CoV-2 als auch andere respiratorische Erreger, wie Influenzaviren, in einem Ansatz nachzuweisen und zwischen ihnen zu differenzieren. Sobald jedoch eine Immunreaktion einsetzt, verringert sich die Viruslast und die Sensitivität dieser Testmethode sinkt. Das Virus kann dann nicht länger in allen Infizierten nachgewiesen werden.

Die Serologie, d. h. die Antikörperbestimmung, erweitert das Zeitfenster der Diagnose über die ersten ein bis zwei Wochen hinaus. Mit ihrer Hilfe können bestehende, aber nicht mehr akute sowie abgelaufene SARS-CoV-2-Infektionen erkannt werden.

Zudem enthält die im Anti-SARS-CoV-2-ELISA und Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA verwendete S1-Domäne des Spike-Proteins die Rezeptorbindungsstelle (RBD) von SARS-CoV-2, mit der das Virus an menschliche Zellen bindet. Insbesondere IgG-Antikörper gegen die S1-Domäne/RBD könnten daher eine virusneutralisierende und damit schützende Funktion erfüllen. 

 

 

Zu welchem Zeitpunkt der Infektion können die RT-PCR-Tests bzw. Antigentests und die ELISA zur Antikörperbestimmung eingesetzt werden?

Die WHO vermutet für SARS-CoV-2 eine Inkubationszeit von 1 bis 14 Tagen, in den meisten Fällen beträgt sie ca. 5 Tage. Dies ist die Zeitspanne, die zwischen dem Kontakt mit dem Virus und dem Einsetzen der ersten Symptome liegt.

Man geht  davon aus, dass sich das Virus direkt nach Symptombeginn in Abstrichen der oberen Atemwege mittels RT-PCR oder Antigentest nachweisen lässt.

Antikörper werden grundsätzlich bei Viruserkrankungen erst nach frühestens einer Woche, oft sogar erst nach zwei Wochen nach Einsetzen der Symptome gebildet und sind auch erst dann nachweisbar. Spezifische IgG-Antikörper lassen sich mit hoher Sensitivität mit dem  Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgG) bzw. dem  Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgG) ab ca. 10 Tage nach Symptombeginn nachweisen, wobei IgG-Antikörper gegen das Nukleokaspidprotein (NCP) häufig wenige Tage vor Anti-S1-IgG-Antikörpern auftreten.  Ein positives Testergebnis bestätigt einen vermuteten Viruskontakt. Der Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgA) und auch der Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgM) eignen sich zur frühzeitigen Überwachung der Entwicklung einer Immunantwort nach positivem Direktnachweis, wenn noch keine spezifischen IgG-Antikörper gebildet wurden. Weder die IgA- noch die IgM-Bestimmung eignet sich jedoch zur Feststellung einer akuten SARS-CoV-2-Infektion.

Erlauben die Testergebnisse Rückschlüsse auf die Infektiosität oder Immunität einer infizierten Person?

Solange Viren in den Sekreten der Atemwege mittels RT-PCR-Test nachweisbar sind, ist auch von einer Infektiosität des Patienten auszugehen.

Mit der ELISA-Technik kann nicht unterschieden werden, ob die nachgewiesenen Antikörper eine neutralisierende Wirkung auf den Erreger zeigen oder nicht.  Inwiefern also die mit einem ELISA gemessene IgG-Antikörperkonzentration Rückschlüsse auf die Immunität eines Patienten zulässt, ist derzeit noch Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Allerdings kann die Auswahl eines geeigneten Antigens, das die Bildung neutralisierender Antikörper induziert, Rückschlüsse auf die entsprechende Funktionalität der Antikörper ermöglichen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass für die Immunität vor allem Antikörper der Klasse IgG eine Rolle spielen, wie sie mit unserem  Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgG) und dem Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) bestimmt werden. Diese basieren auf der S1-Domäne des Spike-Proteins, inklusive der immunologisch relevanten Rezeptorbindungsdomäne (RBD), als Antigen. Darauf weisen auch viele publizierte Ergebnisse beispielsweise aus der sog. „Heinsberg-Studie“ der Universität Bonn hin, in der die hohe Qualität des EUROIMMUN-Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgG) deutlich wird und die zeigt, dass der ELISA sehr gut mit Neutralisationstests korreliert.

 

 

Können mit den Tests von EUROIMMUN SARS-CoV-2-Infektionen von Infektionen mit anderen Coronaviren unterschieden werden?

EURORealTime SARS-CoV-2 und EURORealTime SARS-CoV-2/Influenza A/B: Dank des Nachweises zweier spezifischer Gensequenzen des Virus können SARS-CoV-2-Infektionen verlässlich identifiziert und von anderen Coronavirus- oder anderen respiratorischen Infektionen abgegrenzt werden.

Antigen-ELISA: Bei der Validierung des SARS-CoV-2-Antigen-ELISA konnten keine Kreuzreaktionen mit Antigenen anderer weltweit auftretender Coronaviren beobachtet werden. Lediglich Kreuzreaktionen mit SARS-CoV(-1)-Antigen sind aufgrund der engen Verwandtschaft zu SARS-CoV-2 nicht ausgeschlossen.

Anti-SARS-CoV-2-ELISA/Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA/Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA: Bei der Validierung der ELISA konnten keine Kreuzreaktionen mit Antikörpern gegen andere weltweit auftretende Coronaviren beobachtet werden. Lediglich Kreuzreaktionen mit Antikörpern gegen SARS-CoV(-1) sind aufgrund der engen Verwandtschaft zu SARS-CoV-2 nicht ausgeschlossen.

Welche spezielle Laborausstattung wird für die Durchführung der ELISA für den Antikörpernachweis und des EURORealTime SARS-CoV-2 benötigt?

EURORealTime SARS-CoV-2 und EURORealTime SARS-CoV-2/Influenza A/B: Die Tests sind mit Standard-Equipment (Real-Time-PCR-Thermocycler) kompatibel, wie es in den meisten molekulardiagnostischen Laboren vorhanden ist. Der EURORealTime SARS-CoV-2 wurde auf folgenden Real-Time-PCR-Cyclern validiert: 7500 Fast Real-Time PCR Instrument (Applied Biosystems), LightCycler® 480 II (Roche), CFX 96 Touch (Bio-Rad), RotorGene Q (Qiagen), qTower3 (Analytik Jena). Andere Real-Time-PCR-Cycler sind selbstständig zu validieren. Der EURORealTime SARS-CoV-2/Influenza A/B wurde auf folgenden Real-Time-PCR-Cyclern validiert: 7500 Fast Real-Time PCR Instrument (Applied Biosystems), CFX 96 Touch (Bio-Rad), qTower3 (Analytik Jena). Andere Real-Time-PCR-Cycler sind selbstständig zu validieren.

Antigen-ELISA: Fotometer, Inkubator oder Wasserbad für 37°C; Ein Testsatz enthält jeweils eine 96-Well-ELISA-Mikrotiterplatte (vereinzelbare Riegel ermöglichen eine Anpassung an die tatsächlich zu untersuchende Probenanzahl) und alle für die Durchführung benötigten Reagenzien und Kontrollmaterialien. Mit einer Verpackungseinheit können 93 Patientenproben analysiert werden. Der Test ist analog zu anderen ELISA manuell durchführbar. Selbstverständlich kann der ELISA aber auch vollautomatisiert mit unseren EUROIMMUN Analyzer I und I-2P abgearbeitet werden.

Anti-SARS-CoV-2-ELISA/Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA/Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA: Fotometer,  Inkubator für 37°C; Die Testsätze enthalten jeweils eine 96-Well-ELISA-Mikrotiterplatte (vereinzelbare  Riegel ermöglichen eine Anpassung an die tatsächlich zu untersuchende Probenanzahl) und alle für die Durchführung benötigten Reagenzien und Kontrollmaterialien. Je nach Anzahl der Kalibratoren können mit einer Verpackungseinheit bis zu 93 Patientenproben analysiert werden. Die Tests sind analog zu anderen ELISA manuell durchführbar. Selbstverständlich können die ELISA auch vollautomatisiert mit unseren EUROIMMUN Analyzer I und I-2P (Analyzer I: bis zu 180 Proben pro Testlauf) sowie der EUROLabWorkstation ELISA (bis zu 748 Proben pro Testlauf) abgearbeitet werden.

Welche RNA-Extraktionsmethoden können für den EURORealTime SARS-CoV-2 verwendet werden?

Die RNA-Extraktion kann mit jeder Methode (automatisiert oder manuell) durchgeführt werden, die für die verwendeten Probenmaterialien geeignet und validiert ist. Der EURORealTime SARS-CoV-2-Test ist mit dem QIAamp Viral RNA Mini Kit (Qiagen), dem NucleoMag® VET Kit (Macherey-Nagel) und dem CMG-2015 Prepito Viral DNA/RNA200 Kit (Chemagen) validiert worden. Der EURORealTime SARS-CoV-2 Influenza A/B ist mit dem QIAamp Viral RNA Mini Kit (Qiagen) und dem CMG-2017 Prepito Viral DNA/RNA300 Kit (Chemagen) validiert worden.

Welches Probenmaterial kann für den EURORealTime-SARS-CoV-2 eingesetzt werden?

Die Validierung des  EURORealTime SARS-CoV-2 und EURORealTime SARS-CoV-2 Influenza A/B erfolgte mit RNA-Präparationen aus Rachenabstrichen. Die Validierung von Speichel als Probenmaterial ist derzeit in Planung. Andere Probenmaterialien als Quelle für die RNA können ebenfalls verwendet werden, müssen aber vom Anwender selbst validiert werden.

Wie lange dauert es, bis ein Testergebnis vorliegt?

Hier sind insbesondere die Zeiten zu berücksichtigen, die der Versand einer Probe an ein Labor in Anspruch nimmt. Ebenso spielen die Laborkapazitäten eine Rolle.  Die reine Testdurchführung dauert bei den Antikörper-ELISA ca. 2 Stunden, beim Antigen-ELISA ca. 4 Stunden und bei den EURORealTime-Tests ca. 1,5 Stunden.

Welches Antigen wird in den Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgA und IgG) bzw. dem Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) und dem Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgM und IgG) eingesetzt?

Die Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgA und IgG) und der Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) basieren auf der S1-Domäne des Spike Proteins (S), das in einem aufwendigen Verfahren mit einer humanen Zelllinie hergestellt wird. Durch dieses Verfahren wird die Darstellung komplexer dreidimensionaler Strukturen sowie posttranslationaler Glykosylierungen gewährleistet, weshalb auch Antikörper detektiert werden können, die ausschließlich mit authentischen Epitopen von SARS-CoV-2 reagieren. Durch die Verwendung dieses Antigens können mit den Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgA und IgG) und dem Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) Antikörper mit hoher Spezifität und Sensitivität nachgewiesen werden. Zusätzlich enthält die S1-Domäne die Rezeptorbindungsstelle (RBD) von SARS-CoV-2, mit der das Virus an menschliche Zellen bindet. Insbesondere IgG-Antikörper gegen die RBD/S1-Domäne könnten eine virusneutralisierende und damit schützende Funktion erfüllen:  Es konnte gezeigt werden, dass Antikörper gegen S1/RBD eine Anheftung des Virus an humane Zellen effektiv verhindern. Die Frage der Immunität ist weiterhin Gegenstand intensiver Forschung.

Entsprechend basieren die derzeit erfolgversprechendsten Impfstoffe, für die bereits Vorabergebnisse veröffentlicht wurden, auf dem SARS-CoV-2-spezifischen Spike Protein in unterschiedlichen Darstellungen. Somit kommt dem S1-Antigen eine besondere Bedeutung beim Nachweis von durch Impfung induzierten Antikörpern zu.

Die Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgG bzw. IgM) basieren auf einer modifizierten Variante des besonders immunogenen viralen Nukleokapsidproteins (NCP). Antikörper gegen das Nukleokapsidprotein sind typische Marker für Infektionen mit SARS-CoV-2. Das Nukleokapsidprotein in voller Länge weist jedoch viele Homologien innerhalb der Coronavirus-Familie auf, weswegen das Auftreten unspezifischer (falsch positiver) Reaktionen mit Antikörpern gegen andere weltweit zirkulierende humanpathogene Coronaviren nicht ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund verwendet EUROIMMUN in seinen Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgG bzw. IgM) anstelle des gesamten Proteins ein Designer-Antigen, bei dem unspezifische konservierte Regionen eliminiert wurden.

 

 

Wie ist die Kinetik der verschiedenen Antikörper gegen SARS-CoV-2?

Antikörper entwickeln sich ab ca. 1 – 2 Wochen nach Einsetzen der Symptome. Der Verlauf der Immunantwort kann dabei von Patient zu Patient stark variieren. In der Regel werden Antikörper gegen das virale Nukleokapsid-Protein (NCP) früher gebildet (ca. 7 Tage nach Symptombeginn) als Antikörper gegen das Spike-Protein (S/S1-Domäne; ca. 10 Tage nach Symptombeginn). Antikörper der Immunglobulinklasse A (IgA) und M (IgM) treten im zeitlichen Verlauf häufig vor denen der Klasse G (IgG) auf. IgA und IgM zeigen das Einsetzen der Immunantwort an, während IgG-Antikörper sehr wahrscheinlich für die Ausbildung der Immunität eine Rolle spielen. Insbesondere IgG-Antikörper gegen die S1-Domäne des Spike-Proteins könnten eine virusneutralisierende und damit schützende Funktion haben (die Frage der Immunität ist weiterhin Gegenstand intensiver Forschung).

Darüber hinaus gibt es in der Literatur immer wieder Berichte über einzelne Patienten, bei denen die Antikörpersekretion erst verspätet nach mehreren Wochen einsetzt oder gar gänzlich ausbleibt. Diese Patienten sind negativ für Anti-SARS-CoV-2-IgG und reduzieren die klinische Sensitivität eines serologischen Tests.

Welchen Vorteil bietet der Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG)?

Mit dem Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) ist eine Quantifizierung der Anti-S1-IgG-Antikörperkonzentration möglich. Eine hervorragende Korrelation des Testsystems zum kürzlich freigegebenen Referenzmaterial der WHO „First WHO International Standard Anti-SARS-CoV-2 Immunoglobulin“ ist bereits gezeigt worden, weshalb ab sofort eine Angabe der Ergebnisse in standardisierten Einheiten möglich ist. Aufgrund der ausgezeichneten Linearität des Testsystems gilt über den gesamten breiten Messbereich der gleiche Umrechnungsfaktor. Die Quantifizierung der Anti-S1-Antikörperkonzentration spielt eine wichtige Rolle im Rahmen der Entwicklung S1-basierter Impfstoffe.

 

 

Welche Rolle spielt der Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) im Rahmen der Impfstoffentwicklung?

Durch die Verwendung der S1-Untereinheit des Spike-Proteins im Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA IgG können Antikörper, die durch die jüngst auf den Markt gebrachten Spike-Protein-basierten Impfstoffe induziert werden, nachgewiesen und quantifiziert werden, was hilfreich bei der Beurteilung eines mit der Impfung erreichten Immunschutzes sein kann.

Um eine Neutralisation des Virus zu erreichen, muss eine ausreichende Menge neutralisierender Antikörper gegen S1/RBD gebildet worden sein. In einer Vergleichsstudie konnte eine hervorragende Korrelation des Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA mit einem Neutralisationsantikörpertest (GenScript cPass) erzielt werden, sodass davon ausgegangen werden kann, dass der EUROIMMUN-ELISA auch neutralisierende Antikörper erfasst. Bisher bekannte, gut charakterisierte Immunisierungen gegen andere Infektionserreger zeigen, dass eine Protektion nur bei Erreichen eines bestimmten Schwellenwerts gegeben ist. Dieser Schwellenwert muss unabhängig vom verwendeten Impfstoff (ein ähnliches Antigen vorausgesetzt) und Testsystem verlässlich und vergleichbar angewendet werden können. Die Definition eines solchen Werts basiert auf Ergebnissen großangelegter Studien oder langer Beobachtungen und wird in der Regel evidenzbasiert ermittelt. Er muss demnach von unabhängigen Institutionen oder den Herstellern der Vakzine auf Basis von Studienergebnissen definiert werden.

Da sich die klinischen Studien zur Bewertung des Impferfolgs derzeit noch in der Auswertung befinden, sind noch keine Schwellenwerte zur Bewertung der Antikörperaktivitäten nach Vakzinierung festgelegt worden. Es ist aber davon auszugehen, dass die Bestimmung der Antikörperlevel einer der wichtigsten Instrumente zur Ermittlung des Impferfolgs sein wird, weshalb die Festlegung eines oder mehrerer Schwellenwerte sehr wahrscheinlich ist. Da alle derzeit erfolgversprechenden Impfstoffe auf dem Spike-Protein basieren, werden diese Werte wahrscheinlich auf der IgG-Antwort gegen das Spike-Protein fußen. Durch die überaus genaue Quantifizierung der Antikörperkonzentrationen im Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA auf Basis einer 6-Punkt-Kalibration ist er mit jedem möglichen, in Zukunft zur Messung eines Impferfolgs anzusetzende Schwellenwert anwendbar.

Die genaue Definition eines solchen Schwellenwerts setzt die Verfügbarkeit einer Standardisierung serologischer Methoden voraus. Die Notwendigkeit eines serologischen Standards für die Bestimmung von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern wurde von der WHO schon früh erkannt,

weshalb mit der Entwicklung von Referenzmaterialien bereits vor einiger Zeit begonnen wurde. EUROIMMUN hatte die Gelegenheit, bei der Charakterisierung dieser Referenzmaterialien mitzuwirken. Ende Dezember 2020 wurde nun das internationale Standardserum, das „First WHO International Standard Anti-SARS-CoV-2 Immunoglobulin“ offiziell freigegeben. Eine hervorragende Korrelation des Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) zu diesem Referenzmaterial ist bereits gezeigt worden, wodurch die Angabe der Ergebnisse des Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) ab sofort in standardisierten Einheiten (BAU/ml, numerisch identisch zu IE/ml) möglich ist.

 

 

Werden auch die neuen SARS-CoV-2-Varianten von den EUROIMMUN-Testsystemen erfasst?

Zwei unterschiedliche SARS-CoV-2-Varianten, VOC*202012/01 (Klade B.1.1.7) und 501.V2 (Klade B.1.351), haben seit Ende des Jahres 2020 zu erhöhten COVID-19-Fallzahlen vor allem in Südengland bzw. Südafrika geführt. Im Januar 2021 trat zusätzlich die neue Variante 501Y.V3 (Klade P.1) in Brasilien auf. Alle drei Varianten sind hauptsächlich durch verschiedene Mutationen im S-Gen, welches für das Spike-Protein kodiert, gekennzeichnet. Weil sich innerhalb kurzer Zeit viele Menschen mit diesen Varianten infiziert haben, wird angenommen, dass sie infektiöser sind als andere SARS-CoV-2-Varianten.

EURORealTime-Testsysteme:
Da die EURORealTime SARS-CoV-2 und EURORealTime SARS-CoV-2/Influenza A/B-Testsysteme auf dem ORF1ab und N-Gen des SARS-CoV-2-Genoms basieren, sind sie nicht von den Mutationen im S-Gen betroffen. Für die Varianten wurden jedoch weitere Mutationen in anderen Genen des SARS-CoV-2-Genoms beschrieben, die die Bindung von Primern und Sonden beeinflussen könnten. Basierend auf Vergleichen der Primer- und Sonden-Sequenzen mit den publizierten Sequenzen der Varianten VOC*202012/01 (Klade B.1.1.7), 501.V2 (Klade B.1.351) und 501Y.V3 (Klade P.1) ist zu erwarten, dass alle drei Varianten zuverlässig mit den EURORealTime SARS-CoV-2 und EURORealTime SARS-CoV-2/Influenza A/B Tests nachgewiesen werden können.

ELISA-Testsysteme:
Obwohl die Varianten VOC*202012/01,501.V2 und 501Y.V3 Mutationen in der Rezeptor-Bindungsdomäne (RBD) aufweisen, die einen wichtigen Bestandteil der in den Anti-SARS-CoV-2-ELISA (IgA, IgG) und Anti-SARS-CoV-2-QuantiVac-ELISA (IgG) als Antigen verwendeten S1-Domäne des Spike-Proteins darstellt, ist nicht von Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit dieser Testsysteme auszugehen. In der Regel beeinflussen einzelne Aminosäureaustausche eines Antigens die Bindungseigenschaften von Antikörpern gegen das Gesamtprotein nicht, weil nur ein einzelnes Epitop betroffen ist. Da Proteine eine Vielzahl von Epitopen aufweisen, kann selbst der Ausfall einer einzelnen Bindestelle kompensiert werden. Außerdem führt ein einzelner Aminosäureaustausch nicht in jedem Fall dazu, dass Antikörper gegen diese Variante nicht mehr an das betreffende Epitop in der ursprünglichen Variante binden können. In vielen Fällen ist sogar mit keinerlei Verschlechterung des Bindeverhaltens zu rechnen, unter anderem da nicht jede Stelle innerhalb eines Epitops ein Ziel von Antikörpern darstellt.

Im Falle des SARS-CoV-2-Antigen-ELISA und der Anti-SARS-CoV-2-NCP-ELISA (IgG, IgM) ist ebenfalls von keinerlei Auswirkungen der neuen Varianten auf die Leistungsfähigkeit der Testsysteme auszugehen. Sie dienen dem Nachweis des viralen Nukleokapsidproteins bzw. humaner Antikörper (IgG, IgM) gegen dieses und werden daher von den Mutationen im S-Gen nicht beeinflusst. EUROIMMUN verfolgt sorgfältig Berichte über neue SARS-CoV-2-Varianten von Institutionen wie ECDC, WHO oder FDA. Die Möglichkeit von Auswirkungen neuer Varianten auf unsere Testsysteme wird umgehend überprüft. Auf Grundlage dieser und weiterer Analysen von u. a. aktueller Literatur, Berichten von Gesundheitsbehörden und Rückmeldungen aus Laboren erfolgt im Rahmen des Risikomanagements regelmäßig eine Neubewertung der Gegebenheiten, um kurzfristig in der Lage zu sein, vorbeugende oder korrigierende Maßnahmen zu ergreifen.